‚Netzwerk Demokratiestärkung Lippe‘ unterstützt Schulen

Demokratiestärkung mit kompetenten Partnern

Wo finde ich Unterstützung im Themenbereich Demokratiestärkung? Wer sind die Ansprechpersonen? Welche Themen werden angeboten? Das ‚Netzwerk Demokratiestärkung Lippe‘ steht über diese Fragen hinaus ab sofort den interessierten Schulen im Kreis zur Verfügung.

Dr. Frank Oliver Klute, Tanja Marschner, Tim Emmerling (KI), Arnd Begemann (Kommissariat Kriminalprävention) und Marc Zander (Demokratie leben) stehen als Ansprechpartner im ‚Netzwerk Demokratiestärkung Lippe‘ den Interessierten zur Verfügung. Nicht abgebildet: Das Team von Wegweiser- Stark ohne islamistischen Extremismus.

Das Präventionsprogramm Wegweiser, die Systemberatung Extremismusprävention (SystEx), die Regionalkoordination des Netzwerks ‚Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage‘ (SoR) und das Kommissariat Kriminalprävention / Opferschutz bilden das Netzwerk. „Wir bieten Unterstützung für die gesellschaftspolitische Arbeit an Schulen in Lippe“, so SoR-Koordinator Dr. Frank Oliver Klute vom Kommunalen Integrationszentrum des Kreises Lippe, „und bieten mit den Informationen unseres Flyers Informationen für den direkten Kontakt.“ So können Lehrkräfte ohne umständliche Recherche sich direkt an die Fachleute wenden.

„Im Netzwerk gibt es einen regen fachlichen Austausch über die spezifischen Themenfelder, betonte Tanja Marschner von der Systemberatung Extremismusprävention, wir profitieren voneinander und können uns wunderbar ergänzen, wenn es um passgenaue Angebote für die Schulen geht.“ So können die Fach- und Beratungsstellen des Netzwerks nicht nur über die eigene Arbeit informieren, sondern kennen auch gut die Angebote der anderen Experten und verweisen je nach Bedarf an die passende Stelle. Darüber hinaus arbeiten alle Netzwerkpartner mit weiteren Akteuren der Präventionsarbeit zusammen und können Schulen bedarfsgerecht beraten.

Mit eigenen Workshopangeboten ergänzt des Netzwerk die Unterstützungsarbeit. In diesem Jahr wird es drei Online- und eine Präsenzveranstaltung geben. Die Onlinereihe wird am 25. Juni 2024 von 14.00 Uhr bis 16.30 Uhr mit dem Thema Schlechter Umgang im Netz – Einflussnahme auf junge Menschen und schulischer Umgang damit‘ starten. Die Onlinereihe wird im September fortgesetzt, die Präsenzveranstaltung wird im November starten.

Selbstverständlich arbeitet das Netzwerk auch mit weiteren Partnern im Bereich der Demokratiestärkung zusammen, um für die Schulen das optimale Angebot entwickeln zu können. Zudem ist das Netzwerk offen angelegt, weitere interessierte Projekte und Programme können gerne dazukommen. Interessierte Schulen und Projekte können Flyer als PDF hier herunterladen.

BU: Dr. Frank Oliver Klute, Tanja Marschner, Tim Emmerling (KI), Arnd Begemann (Kommissariat Kriminalprävention) und Marc Zander (Demokratie leben) stehen als Ansprechpartner im ‚Netzwerk Demokratiestärkung Lippe‘ den Interessierten zur Verfügung.

Kolonialismus gab es auch in Lippe

LWL Förderung ermöglicht Schulen kritische Auseinandersetzung

Die Kamerunstraße in Schieder-Schwalenberg, die Roonstraßen in mehreren Orten, außereuropäische Sammlungen in den Lippischen Museen, koloniale Schriften in den Bibliotheken – Kolonialismus gab es auch in Lippe, wurde aber bisher nie groß thematisiert.

„Die Förderung der Kulturstiftung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe mache es möglich, dass die Freie Waldorfschule Lippe-Detmold und die Karla-Raveh-Gesamtschule in Lemgo sich in diesem Jahr mit dem Thema Kolonialismuskritik intensiv auseinandersetzen können, erläutert der Projektleiter Dr. Frank Oliver Klute vom Kommunalen Integrationszentrum des Kreises Lippe.

Dass der Kolonialismus bis heute wirkt, sieht man beispielsweise an der weiterhin westlich orientierten Weltwirtschaftsordnung und an der politischen, sozialen und kulturellen Konstellation und Lage vieler ehemaliger Kolonien und das wirkt auch auf Lippe im 21. Jahrhundert. „So herrschen auch heute noch rassistische und orientalistische Denkmuster vor und das Thema wird zudem im Schulunterricht nicht ausreichend beleuchtet“, so Klute weiter.

Der Literaturkurs erstellt Tonaufnahmen für den Kurzfilm.

In Zusammenarbeit mit den jeweils örtlichen Museen tauchen die Projektgruppen in die Thematik ein, recherchieren, setzen sich mit den Sammlungsobjekten und den Herkunftsgeschichten auseinander und bereiten ihre Präsentationen vor, um mit ihrem neuen Wissen in die Gesellschaft zu wirken.

Am 16. Juni wird im Museum Hexenbürgermeisterhaus die Ausstellung über die Neubourg-Brüder eröffnet. Die Brüder Ernst und Johannes kamen aus Lemgo, arbeiteten auf Sumatra für niederländische Plantagengesellschaften und überließen dem Museum ihre mitgebrachten Exponate. Im Rahmen der Ausstellungseröffnung über die Neubourg-Brüder im Hexenbürgermeisterhaus wird der Literaturkurs der Gesamtschule Ausschnitte aus dem entstehenden Theaterstück zum Kolonialismus zeigen. Außerdem wird ein Kurzfilm gezeigt werden, der im Projekt entstanden ist.

„Nach der Eröffnung werden unsere Schülerinnen und Schüler ein längeres Interview mit Lena Simanjuntak-Mertes führen, einer Angehörigen der Batak, um deren Kultgegenstände sich der eine Teil der Ausstellung dreht“, so Philipp Schmidt-Rhaesa, projektleitender Lehrer zu den weiteren Plänen. Dieses Interview werde ab Anfang Juli im Museumskino zu sehen sein. Das Stück werde der Literaturkurs in der letzten Juni-Woche im Hof des Hexenbürgermeisterhauses aufführen, so Schmidt-Rhaesa weiter.

Die AG ‚Schule ohne Rassismus‘ der Waldorfschule in Detmold widmet sich neben der allgemeinen Recherche einer realen Person, dem Missionar Wilhelm Fricke, der für die Lippische Landeskirche in Togo aktiv war. Im Landesmuseum nutzte die Gruppe eine eigens vorbereitete Führung zu den Sammlungen Togo und Kamerun. „In den Vitrinen konnten wir Gegenstände afrikanischen Ursprungs betrachten, die nach Deutschland verschifft worden waren“, so Dr. Regina Jach, projektleitende Lehrerin, die rätselhaften Steine des Missionars hätten im Zentrum der Führung gestanden.

Durch einen Recherchebesuch beim Landesarchiv in Detmold konnte dann die Geschichte der Steine nachvollzogen werden. Ursprünglich Zahlungsmittel, galten sie vor rund hundert Jahren im Volk der Ewe als vom Himmel gefallene ‚Gottessteine‘, als ‚Götterbeile‘ oder ‚Donnerkeile‘, wie Fricke berichtete. Er nahm 20 dieser Steine mit nach Lippe, sein genaues Motiv zu diesem Vorgehen konnte nach wie vor nicht genau ermittelt werden.

Die Ergebnisse der Forschungen wird die Projektgruppe der Waldorfschule unter dem Titel ‚Was hat Kolonialismus mit mir zu tun‘ auch in der Gesellschaft Lippes, beispielsweise mit einem Stand auf dem Detmolder Wochenmarkt, präsentieren. Beide Schulen werden zudem auf einer Homepage zu finden sein, auf der die gesamten Ergebnisse und Berichte dann noch in diesem Jahr verfügbar sein werden.

 

Handlungsstark bei Diskriminierungen

Die Integrationszentren in Lippe und Bielefeld entwickeln Leitfaden

Unter dem Titel Handlungsstark bei Diskriminierungen – Leitfaden für die Antidiskriminierungsarbeit an Schulen in Bielefeld und Lippe steht den Schulen in Lippe ab sofort eine Hilfestellung von der Prävention über die Reaktion bis zur Nachhaltigkeit zur Verfügung.

„Diskriminierende Vorfälle passieren an Schulen leider genauso wie in der Gesellschaft“, stellte Dr. Frank Oliver Klute vom Kommunalen Integrationszentrum des Kreises Lippe(KI) heraus, wichtig sei es, dass die Schulen ein Konzept haben, um diesen Vorgängen begegnen zu können. Daher bildeten Fachkräfte aus Bielefeld und dem Kreis Lippe ein Redaktionsteam, um mit dem Leitfaden eine Hilfestellung für diese Konzeptentwicklung anbieten zu können.

Dr. Frank Oliver Klute, Jasmin Pampel und Marco Hollmann (von links) mit dem ersten druckfrischen Exemplar des Leitfadens.

Dadurch flossen die Kompetenzen von Schulsozialarbeitenden, Lehrkräften und Kräften der KIs in die Erstellung ein. „Es waren auch von den Grundschulen bis zu den Berufskollegs nahezu alle Schulformen vertreten“, wie Marco Hollmann, Lehrer der Sekundarschule Blomberg, herausstellte, entsprechend habe sich eine sehr ausgewogene Diskussion entwickeln können, die alle Bedürfnisse der Schulen habe berücksichtigen können.

Neben den erläuternden Texten weist der Leitfaden eine Fülle von Kontakten für die Antidiskriminierungsarbeit auf, die mit Ansprechpersonen, Q-R-Codes und einer kurzen Darstellung der Arbeitsfelder den direkten Kontakt ohne große Recherche ermöglichen. Vorschläge zu Formularen sind ebenso vorhanden wie Ablaufgraphiken zu den Vorgängen. „Uns war es wichtig, einen wirklich handhabbaren Leitfaden zu entwickeln, der die verschiedenen Aspekte wie Ansprechpartner, Kommunikationskanäle oder Formulare kompakt und ohne theoretische Herleitung anspricht“, betonte Jasmin Pampel, Schulsozialarbeiterin des HANSE-Berufskollegs in Lemgo.

Das Redaktionsteam ist überzeugt, mit dem Leitfaden eine Hilfestellung anzubieten, der den Anforderungen des aktuellen Schulalltags gerecht wird. Der Leitfaden kann als PDF bei f.klute@kreis-lippe.de angefragt oder hier heruntergelanden werden; alle drei Fachkräfte aus Lippe stehen natürlich auch für Fachfragen den Schulen zur Verfügung.

BU: Dr. Frank Oliver Klute, Jasmin Pampel und Marco Hollmann mit dem ersten druckfrischen Exemplar des Leitfadens.

Das Kulturcafé auf Tour

Historische Stadtführung in Schötmar überrascht Teilnehmende

Knapp fünf Quadratkilometer groß, 1231 erstmalig erwähnt und an Bega und Werre gelegen, der Stadtteil Schötmar mit seiner langen Geschichte war Thema des zweieinhalbstündigen Ausflugs des Kulturcafés und überraschte die Teilnehmenden.

Stadtführer Jens Leuschner (links) informiert die Gruppe über die Besonderheiten des Jüdischen Friedhofs.

Die teilnehmenden 15 Personen kommen aus sieben verschiedenen Herkunftsländern, was der Stadtführer Jens Leuschner mit „das ist die bunteste Gruppe die ich je hatte, außer wenn ich Kindergruppen leite“ positiv herausstellte. „Das sind alles Stammgäste des Kulturcafés“, so die Organisatorin der Tour, Sonja Neubert vom Kommunalen Integrationsmanagement des Kreises Lippe, das Kulturcafé finde jeden Mittwoch von 14:30 bis 16:30 Uhr in den Räumen des sozialen Mittagstisches im Kiliansweg 7 statt und freue sich über weitere Gäste.

Innerhalb der Stadtführung ging Leuschner auch auf die Minderheiten in der Geschichte Schötmars ein und so besuchte die Gruppe auch den jüdischen Friedhof in Schötmar. Damit auch alle Details der Geschichte des Ortsteils für alle verständlich waren, sorgten eine Teilnehmerin und ein Teilnehmer, die immer mal wieder übersetzten, wenn etwas nicht verstanden worden war.

Dass die Teilnehmenden ein großes Interesse an der Geschichte ihres aktuellen Aufenthaltsortes haben, machte Zibo Abo deutlich. Er führte aus, dass ihm gar nicht klar gewesen sei, dass Schötmar so eine alte Geschichte habe und er hoffe, „dass wir das noch einmal machen und dann nach Bad Salzuflen in die Innenstadt gehen.“

Mit diesem Ausflug sei der interkulturelle Austausch des Kulturcafés weiterbelebt worden, stellte Neubert abschließend fest, „das war wirklich eine gelungene Veranstaltung, die zum Kulturverständnis beiträgt.“

Weltfrauentag – Frauen verbinden in Lippe

Veranstaltung im Sommertheater war ein voller Erfolg

Mode in inspirierenden Farben und Formen, mit Henna verzierte Hände, mitreißende Musik und Tanzdarbietungen, beeindruckende Bilder und genähte Objekte, der Weltfrauentag wurde im Sommertheater gelebt, gar zelebriert.

„Die Modenschau, das war irre, diese Farben, diese Muster. Irre!“ Gut 150 Teilnehmende zeigten sich ob des vielfältigen Programms der Veranstaltung begeistert, wie dieser Ausruf einer Teilnehmenden zeigte. Abgerundet wurde das Angebot durch Infostände vom Kommunalen Integrationszentrum des Kreises Lippe (KI), Netzwerk Lippe, von Oktober ist Pink und der Ehrenamtsbörse des Kreises Lippe

Farbenpracht und Formenvielfalt, auch die Modenschau wurde begeistert gefeiert.

„Um dieses Veranstaltungsformat realisieren zu können, kooperierte das KI mit der Detmolder Bürgerstiftung, der Stadt Detmold, dem Ensemble Bridge of Sounds, dem Netzwerk Lippe, dem Integrationsrat der Stadt Detmold, dem offenen Nähkreis des Flüchtlingskreises Dörentrup, der DITIB-Gemeinde zu Detmold e.V. und der Modedesignerin Rose Schäfer“, wie Anne Grit Bangura vom KI betonte.

„Wir bei der Bürgerstiftung arbeiten sehr nah am Menschen, kennen oft die Schicksale, die die sie nach Detmold geführt haben“, wie Natali Sudermann herausstellte, „diese Menschen fröhlich lachend mit positiver Ausstrahlung auf der Veranstaltung zu sehen, erfüllt uns großer Freude und Dankbarkeit.“

So vielfältig, wie die Teilnehmenden war auch das Angebot der dreistündigen Veranstaltung. Internationale Kopfbedeckung selber ausprobieren, Hennabemalung, eine Ukrainische Tanzgruppe, Musikeinlagen, eine Bildergalerie sowie eine Kinderecke mit Büchern in verschiedenen Sprachen, die Infostände, eine Ausstellung von selbstgemachten Werken des offenen Nähkreises des Flüchtlingskreises der Gemeinde Dörentrup und die Modenschau der nachhaltigen Modekreationen aus Jeans und afrikanischen Mustern der Modedesignerin Rose Schäfer ließen nicht eine Sekunde langweilig werden.

„Seit 1911 begehen Frauen den ‚Internationalen Tag der Frauen‘, der die bisherigen Errungenschaften der Frauenrechtsbewegung feiert“, wie Melissa Parlapanos vom KI darlegte, „auch in Lippe wollten wir an diesem Tag Frauen zusammenbringen, gemeinsam Spaß haben und feiern.“ Die Projektziele seien die Förderung von Austausch und Vernetzung der Frauen mit unterschiedlichen Hintergründen sowie die Förderung der Integration, so Parlapanos weiter. Frauen mit und ohne internationaler Familiengeschichte konnten sich in ungezwungener Atmosphäre kennenlernen und Gemeinsamkeiten entdecken.

„Die Kosten für die Veranstaltung wurden durch die Bürgerstiftung Detmold, die Stadt Detmold und den Kreis Lippe abgedeckt“, so Anne-Katrin Edler vom KI, zudem habe es eine großzügige Spende des Lions Club Detmold e.V. gegeben, welche insbesondere für das Honorar der Musiker eingesetzt worden sei. Die Gärtnerei Brüschke aus Lage spendete eine Vielzahl an bunten Tulpen und die Organisatorin von „Oktober ist Pink“, Sabine Mirbach spendete für die Veranstaltung Blumen und leckeren Kuchen. „Dafür und für die vielen helfenden Hände, die zum Erfolg der Veranstaltung beigetragen haben, bedankt sich Planungsgruppe zum Weltfrauentag, ohne die Hilfe sei die Veranstaltung nicht so bunt und vielfältig möglich gewesen.

Der mitreißende Auftritt der Ukrainischen Tanzgruppe wurde durchdas ehrenamtlichem Engagement der Regisseurin Tatiana Nesterenko aus Odessa möglich.

Im Sommertheater Detmold erlebte Lippe einen triumphalen Weltfrauentag unter dem bewegenden Motto „Frauen verbinden Lippe“, um die erfolgreiche Integration von Frauen in Lippe durch interkulturelle Öffnung und Dialog zu zelebrieren“, so Nilufar Kayumova vom Integrationsrat der Stadt Detmold. „Auch für uns war es eine sehr gelungene Veranstaltung. Es war besonders schön zu sehen, dass viele unserer Teilnehmerinnen sich dabei mit anderen Frauen vernetzt und etwas beigetragen haben. Sie sind regelrecht aufgeblüht. Auch neue Teilnehmerinnen für unser Projekt haben wir kennengelernt und freuen uns auf sie“, sagt Louisa Jacobsen-Angelakis, Projektkoordinatorin des Frauenprojekts PerspektivLotsin vom Netzwerk Lippe.

Diese Veranstaltung soll perspektivisch in den kommenden Jahren immer am 8. März stattfinden, eine Idee, die gut ankam. „Wir Frauen sind mit einem halb vollen Bus aus Kalletal und Extertal gekommen. Nächstes Jahr kommen wir wieder. Dann machen wir den Bus voll!“, wie eine Teilnehmerin in Aussicht stellte.

Kommunales Integrationszentrum feiert Geburtstag

Zehnjähriges Bestehen der Anlaufstelle für Integration im Kreis Lippe

Seit etwas mehr als zehn Jahren bildet das Kommunale Integrationszentrum (KI) des Kreises Lippe eine Basis für gelingende Integrationsarbeit in Lippe. Mit dem Ziel, Teilhabe von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte durch die Unterstützung der Integrationsakteure zu verbessern, ist das KI Ende 2013 gestartet. Seit 2020 ergänzt das vom Land NRW geförderte Kommunale Integrationsmanagement (KIM) das Angebot des KI durch die Möglichkeit, die zugewanderten Menschen in Rahmen eines Case Managements vor Ort in den lippischen Kommunen individuell zu begleiten.

„Dass das Kommunale Integrationszentrum unverzichtbar für die kommunale Integrationsarbeit ist, ist nach zehn Jahren nur noch deutlicher geworden. Mit dem KI haben Zugewanderte und Geflüchtete in Lippe einen zentralen Ort, an welchem Beratungen und passende Integrationskurse vermittelt werden. Diese zielgerichtete Hilfe finde ich sehr wichtig“, betont Landrat Dr. Axel Lehmann. „Meiner Ansicht nach wurde dies besonders in den Krisenjahren, in denen viele Menschen nach Deutschland kamen, deutlich. Aber auch darüber hinaus erleichtert das Kommunale Integrationszentrum die Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene in der Integration maßgeblich“, ergänzt er.

„Seit der Eröffnung im Jahr 2013 leistet das Kommunale Integrationszentrum einen wertvollen Beitrag zur Integration von Zugewanderten und Geflüchteten in Lippe. In den vergangenen Jahren haben wir viele Angebote an den Start gebracht, die sowohl die lippischen Städte und Gemeinden als auch KiTas, Schulen und Ehrenamtliche bei ihrer Arbeit mit den Zugewanderten unterstützen. Einige dieser Angebote sind zu großen Teilen durch das Land NRW gefördert“, sagt Sabine Beine, zuständige Verwaltungsvorständin des Kreises Lippe.

Auch der Laien-Sprachmittlerpool des Kommunalen Integrationszentrums entwickelt sich stetig weiter. Mittlerweile umfasst er knapp 170 ehrenamtliche Personen, die insgesamt rund 40 Sprachen beherrschen. Sie helfen, Sprachbarrieren zu überwinden und unterstützen unter anderem bei Behördengängen sowie Elterngesprächen in KiTa und Schule. Allein im Jahr 2023 wurden sie knapp 1700 Mal angefragt.

„Mehr als 800 Eltern mit Zuwanderungsgeschichte haben zum Beispiel bislang von den Bildungsprogrammen ‚Griffbereit‘ und ‚Rucksack‘ profitiert. Mit beiden Programmen fördert das KI mithilfe eigens ausgebildeter Elternbegleiterinnen und -begleitern Mehrsprachigkeit und ebnet Eltern mit Zuwanderungsgeschichte den Zugang zu Bildungsinstitutionen. Jährlich werden außerdem 300 Kinder und Jugendliche im Rahmen einer ‚Seiteneinstiegsberatung‘ an die lippischen Schulen vermittelt“, legt Alexandra Steeger, Leiterin des Kommunalen Integrationszentrums, den Erfolg des KI in Lippe dar.

Die Erweiterung um das KIM trägt darüber hinaus zu einer verbesserten Zusammenarbeit von Behörden, Ämtern und freien Trägern im Integrationsbereich durch Fallanalysen und Vernetzung bei. Das dazugehörige KIM Case Management übernimmt die operativen Aufgaben und fokussiert sich auf die direkte Arbeit mit den Zugewanderten, definiert Ziele und identifiziert etwaige Lücken im Unterstützungssystem. In einem zweiten Schritt werden die Angebote des KIs bei Bedarf entsprechend angepasst. Auf diese Weise unterstützt das KIM Case Management zugewanderte Menschen in Lippe besonders gezielt und auf den individuellen Bedarf abgestimmt.

Insgesamt gibt es 54 Kommunale Integrationszentren in ganz Nordrhein-Westfalen, die von den jeweiligen Kreisen oder kreisfreien Städten betrieben und vom Land NRW gefördert werden. „Dass das KI ein verlässlicher Partner ist, zeigte sich nicht nur in den Jahren 2016 und 2022, als viele Menschen aus Krisenregionen nach Deutschland kamen. Es ist dem KI gelungen, dass über Migration auch dann gesprochen wird, wenn es keine Krise zu bewältigen gibt“, schließt Alexandra Steeger ab.

 

Bild-Beschreibung: (Symbolfoto) Mütter, die am „Rucksack“-Bildungsprogramm teilnehmen, besuchen den Lagenser Wochenmarkt (Foto: Kreis Lippe)

Schülerinnen und Schüler des HANSE-Berufskollegs engagieren sich aktiv gegen Antisemitismus

Projekttag „Schule ohne Rassismus. Schule mit Courage“ am HANSE-Berufskolleg

Im Rahmen der Mitgliedschaft im Schulnetzwerk „Schule ohne Rassismus. Schule mit Courage“ haben sich die Schülerinnen und Schüler des HANSE-Berufskollegs am 26.01.2024 gegen Antisemitismus eingesetzt.

Beim schulweiten Aktionstag setzte sich jede Klasse mit digitalen Materialien auseinander. Zu Beginn erarbeiteten die Schülerinnen und Schüler die Gründe, warum es zum Holocaust kommen konnte. Beim gesamten Aktionstag wurden sie dabei von den Lehrerinnen und Lehrern begleitet.

In weiteren Verlauf lernten die Schülerinnen und Schüler die Lebensgeschichte von Herrn Ivar Buterfas-Frankenthal und Frau Margot Friedländer kennen. Beide gehören zu den letzten noch lebenden Menschen, die die Shoah, den sogenannten Holocaust, persönlich miterlebt und überlebt haben.

Schon vor dem Aktionstag war Herr Buterfas-Frankenthal in Lemgo und hat mit Schüler/-innen, auch des HANSE-Berufskollegs, über sein Leben und seine Botschaft gesprochen.

„Ich fand es gut, dass wir uns die Informationen mit der Hilfe von Videos erarbeiten konnten. Das war sehr eindrucksvoll,“ hebt der Schüler Jan aus der Oberstufe der Höheren Handelsschule die Bedeutung der medialen Gestaltung des Aktionstages hervor. Sein Mitschüler Henrik ergänzt: „Durch die Videos konnte man sich das ganze besser vorstellen. Mir hat gefallen, dass wir selbstständig arbeiten konnten.“

Die Bedeutung des Aktionstags macht die Schülerin Isabelle, ebenfalls Schülerin in der Höheren Handelsschule, deutlich: „Ich finde es wichtig, dass es diesen Aktionstag einmal im Jahr gibt. So wird den Leuten bewusst gemacht, was Rassismus mit Menschen macht.“

„Die Verwendung von Videos, in denen Zeitzeugen des Holocausts direkt von Ihren Erlebnissen berichten, stellte nicht nur eine für Schülerinnen und Schüler interessante Abwechslung dar, sondern bot auch den angemessenen Rahmen, um eine authentische Thematisierung von Antisemitismus zu ermöglichen“, resümiert Max Goldstein, Ansprechpartner für das Schulnetzwerk am HANSE-Berufskolleg.

Ihr weiteres Engagement bestätigten die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler zudem durch die Unterzeichnung der Selbstverpflichtung, sich aktiv gegen Antisemitismus und jegliche Form der Diskriminierung zu engagieren.

Heiko Jucks, Schulleiter des HANSE-Berufskollegs, betont die Bedeutung des Projekttags: „Wir leben in einer vielfältigen Gesellschaft, in der Diskriminierung keinen Platz hat. In diesem Zusammenhang ist Aufklärung ein wichtiger Baustein.“

Bild-Beschreibung: Die Schülerin Sina Penders und der Schüler Henrik Scheck aus der Höheren Handelsschule bei Arbeit mit digitalen Materialien während des Projekttags.

Sekundarschule Horn-Bad Meinberg gewinnt den Heimatpreis

Heute aus gestern für morgen: Projektgruppe forscht zu Franz Hausmann

Überzeugter Verfechter des Frauenwahlrechts und der optimalen Schulbildung für alle, schlechter Redner, Gegner des fürstlichen Jagdrechts, Tierfreund und überzeugter Demokrat, das beschreibt Franz Hausmann, doch wo findet man das und vor allem, wen interessiert es? Eben die letzten beiden Fragen stellte sich die Projektgruppe HausmannReloaded der Sekundarschule Horn-Bad Meinberg vor dem Denkmal stehend und suchte Antworten.

Für diese Arbeit wurde der Projektgruppe nun der Heimatpreis der Stadt Horn-Bad Meinberg in Höhe von 2.500 Euro zugesprochen, eine Entscheidung, die von HausmannReloaded begeistert aufgenommen wurde.

„Bis auf die wenigen Angaben auf dem Denkmal und dem Straßenbild findet man nichts zu Franz Hausmann“, moniert Melda Aydin, Schülerin im Projektkurs, weder den Einheimischen noch den Touristen werde klar, wie bedeutend der Politiker tatsächlich war. Doch auch wenn die Informationen gesammelt worden sind, wie bringt man sie an die Interessierten? „Schon von Anfang an beschäftigte sich die Projektgruppe mit der Definition der Zielgruppen und den dafür geeigneten Medien“, so Dr. Frank Oliver Klute vom Kommunalen Integrationszentrum des Kreises, der die Projektgruppe gemeinsam mit dem Lehrer Leonard Gödde leitet, um so Hausmann und seine Ideale wieder präsenter zu machen.

So wurde nicht nur in verschiedenen Büchern nach Informationen gesucht, auch im Landesarchiv und dem Kirchenarchiv der Horner Kirchengemeinde wurde nach Angaben zu Hausmann gesucht. „Wir konnten das Heiratsdatum ebenso verifizieren wie die Angaben zu seinen Kindern“, erklärte Gödde, „die Schülerinnen und Schüler stellten sich den Herausforderungen der Sütterlinschrift ebenso wie die damals typischen Ausdrucks und Stils der Texte.“ Darüber hinaus ergaben sich auch Erkenntnisse zum Leben des ausgehenden 19.Jahrhunderts. „Wenn die Familien kein Geld hatten, konnten die Kinder auch mit Talent keine höheren Schulen besuchen“, stellte Merle Giebe, Teilnehmende des Projektes, fest.

Aber auch die Kreativität der Teilnehmenden wurde gefordert. Denn die Projektgruppe will gerade auch für Jugendliche den Demokraten Hausmann zugänglich machen. „Es wurde ein Drohnenvideo vom Denkmal gedreht und eingesprochen, wir erstellen kleine Sequenzen für Instagram und schreiben Artikel für die Homepage.“, erläuterte Aydin, diese seien dann per QR-Code am Denkmal abrufbar. Zudem sei mit Hilfe des Heimatvereins Horn eine Infotafel zu Franz Hausmann erstellt worden, die dann in der Nähe des Denkmals über den Horner Demokraten und Juristen informiere, so Giebe ergänzend.

„Es ist nicht leicht, eine so spezielle Projektgruppe im Schulalltag zu verankern“, wie Gödde erläuterte, so habe es durchaus organisatorische Herausforderungen gegeben, die eine kontinuierliche und stringente Arbeit behinderten. Mit einer neuen Gruppe aus anderen Jahrgängen will die Schule nun dem Projekt optimalere Bedingungen bieten.

Auch die Schulleitung ist begeistert, dass das Engagement der Projektgruppe HausmannReloaded mit dem Heimatpreis gewürdigt wurde. „So können wir den Teilnehmenden Exkursionen ermöglichen und auch bei der Produktion der verschiedenen Informationsmedien professionelle Wege beschreiten“, wie Schulleiterin Ruth Symann abschließend feststellte, Hausmann stehe für die demokratischen Grundwerte und biete sich damit als Orientierung für die Schule an.

 

Bild-Beschreibung: Merle Giebe, Dr. Frank Oliver Klute, Melda Aydin, Johannes Gediken, Ruth Symann sowie Leonard Gödde freuen sich über den Heimatpreis und sehen ihn als Ansporn für die weitere Arbeit.

Qualitätszirkel Case Management des Kommunalen Integrationsmanagements

Bestmögliche Beratung ist das Ziel

Die psychische Gesundheit in der Beratung von zugewanderten Menschen stand im Treffen des Qualitätszirkels Case Management/Fallarbeit des Kommunalen Integrationsmanagements des Kreises Lippe (KIM) im Zentrum.

Hierzu trafen sich rund 50 Fachkräfte, die operativ und fallbezogen mit Zugewanderten in Lippe im Beratungsprozess arbeiten. „Dabei setzten sich die sozialpädagogischen Fachkräfte der Kommunen, Jugendämter und der anderen Träger sowie Arbeitsvermittelnde, Mitarbeitende der Ausländerbehörden und weitere das Ziel, (neu-)zugewanderte Menschen bestmöglich zu beraten, sowie die Einwanderungsstrukturen im Kreis Lippe stetig zu verbessern“, wie Jessica Keitel, Leiterin des KIM feststellte.

In ihrer Begrüßung nahm die zuständige Verwaltungsvorständin Sabine Beine das aktuelle Dilemma der Integration auf. Die politische Diskussion über Einwanderung sei zwiegespalten: Einerseits gebe es die notwendige Nachfrage nach Fachkräften, andererseits hätten viele Vorbehalte bei Geflüchteten in der direkten Nachbarschaft, wie sie betonte, zu beobachten seien zudem rechtsextreme Tendenzen in der Politik. „Wir haben aber verstanden, wir brauchen Migration“, so Beine in ihrem Fazit.

Mit einem Vortrag von Prof. Dr. Haci Halil Uslucan, Lehrstuhlinhaber für moderne Türkeistudien und Integrationsforschung an der Uni Duisburg-Essen sowie mehreren Workshops wurden im Qualitätszirkel die Notwendigkeit und die Möglichkeiten der Behandlung und Versorgung von psychisch belasteten Menschen im Bereich der Zuwanderungsberatung ausgelotet.

Die psychischen Belastungen vor allem der Geflüchteten und von Minderheiten aus Südosteuropa wurden als eine Herausforderung in der Fallarbeit vermehrt wahrgenommen, was in Verbindung mit dem gleichzeitig schwierigen Zugang zu professionellen Hilfsangeboten die Integration deutlich erschwert. „Die psychische Gesundheit ist ein grundlegendes Menschenrecht, dass nicht an geografische Grenzen gebunden ist, wie Keitel erläuterte, – es sei die Aufgabe in der Beratung, die unsichtbaren Wunden zu verstehen, angemessen zu versorgen und zu reagieren.

„Uns war es wichtig, bei dieser Veranstaltung viel Zeit für die Vernetzung zur Verfügung zu stellen, damit sich die Teilnehmenden über gegenseitige Hilfestellungen bei Hürden im Beratungsalltag austauschen konnten“, so Keitel abschließend, so unterstütze das KIM die Kommunen bei der wichtigen Integrationsarbeit.

 

Bild-Beschreibung: Zu verschiedenen Fragestellungen tauschten sich die Fachkräfte intensiv aus.

Hybride Deutschkurse des Kommunalen Integrationszentrums durch Robert Bosch Stiftung gefördert

Neues Sprachkursformat in Lippe

Ein Flächenkreis mit überschaubarem ÖPNV-Angebot, ein großer Bedarf an passenden Deutschkursen und eine strikte Förderpolitik des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) – die Gelingensbedingungen für Deutschkurse im Kreis Lippe sind nicht optimal.

Durch die Förderung des Projektes Land.Zuhause.Zukunft der Robert Bosch Stiftung und der Universität Hildesheim konnte das Kommunale Integrationszentrum des Kreises, begleitet durch das Beratungsunternehmen Ramboll, ein innovatives Sprachkurskonzept entwickeln. „Für die Realisierung das Konzept des hybriden Deutschkurses konnten nun mit einem weiteren Förderbescheid die notwendigen Mittel für zwei Kurse nach Lippe geholt werden“, freut sich Projektleiter Dr. Frank Oliver Klute.

In dem Konzept werden drei Räumlichkeiten mit Übertragungstechnik zusammengeschaltet, die Lehrkraft wechselt dabei turnusgemäß an den drei Orten durch. Durch diese Mischung aus Präsenz- und Onlineunterricht können die Menschen vor Ort mit kurzen Wegen an den Kursen teilnehmen, treffen und helfen sich untereinander, können sich durch die Technik auch mit allen anderen in Realzeit austauschen und haben zudem den regelmäßigen Austausch mit der Lehrkraft vor Ort.

„Mit den knapp 50.000 Euro Förderung der Robert Bosch Stiftung können wir zwei Sprachkurse realisieren“, freute sich Verwaltungsvorständin Sabine Beine, es werde mit einem B1- Kurs noch im Februar gestartet dann folge im Sommer ein Alphabetisierungskurs.

So werden Sprachkursangebote realisiert, die die individuellen Sprachniveaus der Teilnehmenden berücksichtigen und für die es sonst von der Teilnehmendenzahl in den kleineren Kommunen keine Möglichkeit gäbe. So können beispielsweise für jeweils fünf Teilnehmende in drei Kommunen trotzdem ein notwendiges Angebot zusammengestellt werden. „Damit auch weitere Kurse in anderen Kommunen angeboten werden können, wollen wir, mit Unterstützung von Ramboll und der Robert Bosch Stiftung, beim BAMF eine Zertifizierung erreichen“, erläutert Dr. Klute, das diene dann der Nachhaltigkeit und überwinde zudem die Nachteile im ländlichen Raum bei den Kursangeboten.

„Jede Person, die wir mit diesem zusätzlichen Angebot erreichen können, hilft, die Integration in den Kommunen voranzutreiben“, so der Projektleiter, das helfe bei der Arbeitsaufnahme, den Gesprächen mit Kita und Schule sowie beim Miteinander im Wohnort.

„Durch dieses neue Kursformat, das wir gemeinsam mit den Volkshochschulen und dem Netzwerk Lippe umsetzen, können insbesondere die kleineren Kommunen unterstützt werden, da dort vor Ort zumeist die Mindestteilnehmendenzahlen für BAMF-geförderte Kurse nicht erreicht werden können“, wie Beine abschließend betonte.

 

Bild-Beschreibung: Symbolbild