Programmheft für die Integrationswoche

Das Programmheft für die Woche der Vielheit, der Integrationswoche des KI, ist fertig. Es wird demnächst druckfrisch in allen Kommunen ausgelegt werden und steht ihnen schon jetzt online hier zur Verfügung. Das Team des KI dankt ausdrücklich den vielen Kooperationspartnern für ihre Bereitschaft, uns bei diesem großen Vorhaben zu unterstützen. Stöbern Sie in dem reichhaltigen Angebot und suchen Sie sich die Veranstaltungen heraus, die Sie besuchen wollen. Sie sind herzlich eingeladen! Sollten Sie speziell eine Veranstaltung suchen, dann können Sie für die noch schnellere Navigation im Heft die „Suche“-Funktion des PDF-Readers nutzen. Wir freuen uns auf Sie.

Vorstellung der Programme entlang der Bildungskette

KI informiert in Gemeindehäusern

Anne Grit Bangura, Jessica Keitel und Linda Heidenreich (von links) freuen sich als Programmleiterinnen auf viele Interessierte.

Das kommunale Integrationszentrum Kreis Lippe (KI) bietet im Kreisgebiet für Menschen jeden Alters ein vielfältiges Angebot im Bereich der Bildung. Einen besonderen Stellenwert nehmen die Programme in der frühen Bildung, vom ersten Lebensjahr bis zur Grundschulzeit ein, denn bereits hier werden wichtige Weichen für die Entwicklung der Kinder gestellt.

Alle Familien und Kinder, ob mit oder ohne Zuwanderungsgeschichte, können von den drei vom KI angebotenen Programmen ‚Griffbereit‘, ‚Rucksack KiTa‘ und ‚Rucksack Schule‘ profitieren. Die Mehrsprachigkeit und die Integration zu fördern sind ebenso Ziele dieser Programme wie eine vertrauensvolle Erziehungspartnerschaft zwischen Kindergarten, Schule und Eltern sowie die interkulturelle Öffnung von Institutionen.

Kernthemen dieser Programme sind dabei die durchgängige sprachliche Bildung sowie die Zusammenarbeit mit den Eltern. Für alle Beteiligten bietet das KI Informationsveranstaltungen an. Interessierte, also nicht nur Eltern, Lehrer_innen und Erzieher_innen sind herzlich eingeladen, sich am 27. August 2018 zwischen 15:30 Uhr und 17:00 Uhr, in Lage im Gemeindehaus hinter der Marktkirche, über die Programme zu informieren. Einen weiteren Termin bietet das KI am 5. September 2018, wieder zwischen 15:30 Uhr und 17:00 Uhr, diesmal im Gemeindehaus am Detmolder Marktplatz.

Für die Teilnehmenden sind die Programme immer kostenfrei. Die Gruppenleitungen werden vom KI ausgebildet und sind dann auf Honorarbasis für das KI tätig. Derzeit werden noch neue Elternbegleiter_innen für des Programm ‚Rucksack Schule‘ gesucht. Die jeweiligen Gruppen sind ein Gewinn für die Eltern, Kinder und Einrichtungen, für die die Angebote zudem einfach umsetzbar und mit wenig Aufwand verbunden sind.

Gruppenhelfer/-innen-I-Ausbildung für Menschen mit/ohne Migrationshintergrund und Fluchtbezug

Du möchtest in deinem Sportverein aktiv werden? Du möchtest wissen, wie sportliche und außersportliche Angebote für Kinder und Jugendliche geplant und durchgeführt werden?

Dann ist die Gruppenhelfer/-innen-Ausbildung I ein erster Schritt in diese Richtung. Hier wirst du motiviert, dich stark zu machen für deine Interessen und qualifiziert, Ideen für neue Spiel-, Sport- und Freizeitangebote einzubringen und anleiten zu können.

Welche Inhalte hat die Ausbildung?

 

  • Motive zur Mitarbeit im Sportverein und als Gruppenhelfer/-in
  • Meine Aufgaben Gruppenhelfer/-in im Sport
  • Bekannte Spiele/Sportarten und neue Trends
  • Grundsätze der Kommunikation
  • Kinder und Jugendliche von heute – Konsequenzen für die Co-Leitung von Gruppen, Grundlagen der Planung von Vereinsangeboten

Wer kann teilnehmen?

 Alle Menschen ab 13 Jahren aus den Kreisen Lippe und Paderborn

  • Auch die Teilnahme als Tandem (ein Geflüchteter + ein Deutscher aus einem Sportverein) ist möglich und wird unterstützt
  • Ausreichende Sprachkenntnisse sind erforderlich

 

Wann & Wo:

 

13.10. / 14.10. / 27.10. / 28.10.2018 jeweils von 09:00 – 16:00 Uhr

in der Grundschule Heidenoldendorf, Adolf-Meier-Straße 40, 32756 Detmold

Dies ist ein Angebot der:

    

Kreis Lippe führt Fachtag ‚Alter und Migration – Ein Blick auf Gesundheit und Pflege‘ durch

Freuen sich über positive Resonanz zum Fachtag „Alter und Migration“: Svenja Budde, Anne-Kathrin Edler, Dr. med. Sengul Ünal (Referentin und praktizierende Ärztin in Horn-Bad Meinberg), Gudrun Caesar und Tanja Lupuljev (von links).

Integration von Menschen mit Migrationshintergrund: Ein komplexes Handlungsfeld, das auch vor Themen wie Gesundheit und Pflege keinen Halt macht. Denn in diesem Bereich ist einiges im Wandel – wo die Älteren früher noch im Familienverbund gepflegt wurden, steigt bei den Familien mit Migrationshintergrund die Tendenz zu weniger Kindern und häufigerer Berufstätigkeit. Um über das Spektrum „Alter und Migration“ sowie aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen zu diskutieren, hat der Kreis Lippe jetzt zum Fachtag „Alter und Migration – Ein Blick auf Gesundheit und Pflege“ eingeladen. Organisiert wurde die Veranstaltung durch die Fachbereiche Gesundheit sowie Soziales und Integration des Kreises Lippe. Fachliche und finanzielle Unterstützung dabei leistete das Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen (LZG.NRW) als Kooperationspartner.

„Den Paradigmenwechsel in der Pflege erleben wir jetzt ganz aktuell. Uns ist es wichtig, dass wir mit dieser Entwicklung Schritt halten, um sie konstruktiv mitgestalten zu können. Ziel des Fachtags war es deshalb, im gemeinsamen Diskurs Lösungsansätze und Perspektiven zu entwickeln, um den künftigen Herausforderungen effektiv begegnen zu können“, betonte Karl-Eitel John, zuständiger Verwaltungsvorstand des Kreises Lippe. „Um praxisorientierte Lösungen bieten zu können, ist es wichtig, die Zusammenhänge zwischen Migration und Gesundheit als Einheit zu verstehen und sich innerhalb der Kommunen zu vernetzen. Der Kreis Lippe hat dafür bereits eine gute Grundlage geschaffen“, lobte Svenja Budde vom LZG.NRW.

Auf dem „Markt der Möglichkeiten“ konnten sich die Teilnehmer des Fachtags „Alter und Migration“ über Angebote zu Pflege und Gesundheit in Lippe informieren.

Ein Thema des Fachtags war deshalb der kultursensible Umgang mit älteren Menschen mit Migrationshintergrund sowie älteren Ausländern. So können unter anderem kulturell bedingt unterschiedliche Sichtweisen auf Gesundheit und Krankheit eine Rolle spielen oder potenzielle Barrieren beim Zugang zu Gesundheitsleistungen. Abgesehen von den fachlichen Impulsen waren zudem Referenten aus der Praxis eingeladen, die aus dem Alltag im Bereich Gesundheit und Pflege berichteten. In einer Gruppenarbeitsphase benannten die 65 Teilnehmer der Veranstaltung Handlungsfelder und erarbeiteten Aufträge an die Behörden und Institutionen. Eine konkrete Zielformulierung aus den Workshops war es unter anderem, Anträge und Informationsmaterial der Behörden in einfacher Sprache, vielleicht sogar mehrsprachig bereitzustellen. Zudem wurde die interkulturelle Sensibilisierung für Arztpraxen, Pflegeschulen und Fachpersonal sowie der Ausbau kultursensibler Pflege in Lippe als Aufgabe formuliert. Des Weiteren sollen Schulungen für Angehörige zu Themen wie Pflege und Umgang mit Demenz angeboten werden.

„Insgesamt haben wir durchweg positive Resonanz von den Teilnehmern erhalten. Und auch wir sind sehr zufrieden mit dem konstruktiven Austausch und den praxisnahen Impulsen, mit denen wir die künftigen Aufgaben und Herausforderungen beim Themenkomplex Alter und Migration sicherlich meistern werden“, zeigen sich die Organisatorinnen des Fachtags Gudrun Caesar, Geschäftsführerin der Kommunalen Gesundheitskonferenz, Anne-Kathrin Edler, vom Kommunalen Integrationszentrum Kreis Lippe, und Tanja Lupuljev, zuständig für die Altenhilfeplanung des Kreises Lippe, zufrieden. Für die Zukunft planen sie deshalb, weitere Fachveranstaltungen zu verschiedenen Themen durchzuführen.

Neues Programm im Kommunalen Integrationszentrum

Arbeitskreis ‚[Rass]ismussensibilität‘ fragt auch nach Ursachen

Die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen in Lippe an der Gesellschaft ist ein zentrales Anliegen des Kommunalen Integrationszentrums des Kreises Lippe (KI). Daraus leitet sich die Aufgabe ab, auf jedwede Diskriminierung aufmerksam zu machen und diese abzubauen. Das rassismussensible Arbeiten war und ist entsprechend ein wichtiges Kennzeichen in den vielfältigen Angeboten des KI.

„Das KI und damit auch der Kreis Lippe stellen sich gegen jede Form des Extremismus, egal von wem dieser ausgeht und gegen wen er gerichtet ist“, betont in diesem Zusammenhang der zuständige Verwaltungsvorstand Karl-Eitel John. Die Kreisverwaltung setze sich für Integration und Verständigung ein und fördere soziale und kulturelle Diversität, so John weiter.

Die Antidiskriminierungsarbeit bekommt nun im KI einen noch höheren Stellenwert. Anne Grit Bangura und Dr. Frank Oliver Klute organisieren den neuen Arbeitskreis „[Rass]ismussensibilität“, der dieses Thema nun hauptsächlich behandelt. Neben den bewussten stehen auch die vielfältigen Wege der unbewussten Diskriminierungen im Fokus. Da sich die Arbeit nicht nur auf den Rassismus beschränken soll, sondern auch andere –ismen wie den Sexismus oder den Klassismus im Blick haben wird, sind im Titel die ersten vier Buchstaben in Klammern gesetzt worden.

„Es geht dabei nicht darum, dogmatisch den Zeigefinger zu erheben und Vorwürfe zu formulieren“, erklärt Klute, „es geht darum, die Menschen in die Lage zu versetzen, selbst zu erkennen, wie man den Anderen sieht und warum das so ist.“ Es reiche nicht aus, sich mittels der gängigen Muster beispielsweise vom Rassismus zu distanzieren, sondern sollte sich mit den Ursachen auseinandersetzen, wie Klute darlegt: „Auch auf die Gefahr hin, sich dabei selbst wiederzufinden.“

Denn Rassismen werden auf der sozialen Ebene reproduziert. Das erfolgt formell durch politische Abhandlungen, durch die Medien und auf dem Bildungssektor sowie informell bei der Sozialisation in der Familie, bei Gesprächen in der Nachbarschaft, unter Freunden und in anderen privaten Situationen. „Dessen muss man sich bewusst werden und bei seinem Wirken mit bedenken, um sie zu vermeiden“, erläutert Klute. So enthalte allein der Vorgang der Integration schon die Gefahr, in der Kategorisierung zwischen Deutschen und Nicht-Deutschen zu verharren und eher das Trennende als das Verbindende zu betonen.

Das KI lädt Interessierte zur Mitarbeit an diesem vielschichtigen Thema ein. Für weitere Informationen stehen Anne Grit Bangura telefonisch unter 05231/62-2801 oder a.bangura@kreis-lippe.de sowie Dr. Frank Oliver Klute telefonisch unter 05231/62-2651 oder f.klute@kreis-lippe.de zur Verfügung.

Gut ankommen mit den Rucksack-Programmen

Anne Grit Bangura, Landrat Dr. Axel Lehman und Nesrin Bartel (Mitte vorn) freuen sich mit den Elternbegleiter_innen über die Zertifikate.

Kreis Lippe zertifiziert Eltern

Ankommen in der Gesellschaft – dafür ist es vor allem wichtig, sich verständigen zu können. Dafür stehen die „Rucksack-Programme“: Sie verfolgen das Konzept, Kinder mit Migrationshintergrund sowohl in ihrer Muttersprache als auch in der deutschen Sprache zu fördern, damit sie beides besser beherrschen lernen. Wichtig ist dabei, auch die Eltern mit ins Boot zu holen und den Integrationsprozess mit ihnen gemeinsam zu gestalten. Rund 100 Eltern mit Migrationshintergrund wurden jetzt für ihre Teilnahme an der „Rucksack-Kita“ und der „Rucksack-Schule“ ausgezeichnet und erhielten ihre Teilnahme-Zertifikate aus den Händen von Landrat Dr. Axel Lehmann.

Die Koordinatorinnen Anne Grit Bangura (Kita) und Nesrin Bartel (Schule) waren begeistert von der regen Teilnahme der Eltern. Die Akquise der Eltern stellt eine große Herausforderung dar, da viele Eltern obligatorische und parallel zu den Rucksack-Elternbegleitungen stattfindenden Sprach- und Integrationskurse besuchen müssen. „Dennoch freuen wir uns über jede Mutter und jeden Vater, der trotz erschwerter Bedingungen am Programm teilnimmt“, erklärt Bartel. Jeder gepackte Rucksack stärkt Kinder auf ihren zukünftigen Bildungswegen. Ein großer Dank gelte deshalb den Elternbegleiterinnen, ohne deren Engagement weder die Bildungseinrichtungen noch die Eltern in diesem Ausmaß von dem Programm profitieren würden, so Bartel weiter.

Im Kreis Lippe gibt es seit 2014 das Programm „Rucksack-Kita“, Mitte 2016 fiel auch der Startschuss für „Rucksack-Schule“. Während im frühkindlichen Bereich momentan 15 Kindergärten und Familienzentren das Programm „Rucksack-KiTa“ durchführen, geht im Bereich Schule mit der Oetternbachschule nun die sechste „Rucksack-Schule“ an den Start.

Die erste Ausgabe der Zeitung ist gedruckt!

Unter der Ägide des Kommunalen Integrationszentrums  erschien die erste Ausgabe der NiL, der Migrantenzeitung in Lippe, von Migrant_innen für – eben nicht nur Migrant_innen – sondern für alle in Lippe Wohnenden! NiL, das heißt ‚Neu in Lippe‘ und das steht für diese Zeitung und für die, die diese Zeitung erstellen, denn auch sie sind vor einigen Jahren oder vor wenigen Monaten neu in Lippe angekommen.

In der NiL finden Sie unterschiedlichste Texte zum Leben und Lieben in Lippe, zu Menschen und Momenten, zu Gründen und Gedanken. Wir laden Sie in die Welt der Zugewanderten ein. Lesen Sie über die Gründe der Reise nach Deutschland, dem Kampf mit der deutschen Grammatik, dem ersten Besuch eines Schützenfestes oder dem deutschen Winter aus Sicht eines Zugewanderten. Wir berichten von Erfahrungen und Gefühlen in diesem noch fremden Land sowie von Erinnerungen an die Heimat. Menschen mit unterschiedlichen Berufen und Lebenserfahrungen sowie Talenten haben ganz individuelle Hoffnungen und Perspektiven, an denen sie Sie teilhaben lassen wollen.

Mit der NiL wollen wir Ihnen, liebe Interessierte, gerne begegnen. Informationen und Kontakte sind wichtige Grundlagen für ein friedliches Miteinander in Lippe. Dieser Austausch schafft die Basis, um die Vorteile der Vielfalt erkennen und leben zu können. Daran wollen wir mitwirken.

Wir freuen uns, wenn Sie sich die Zeit nehmen und unsere Zeitung lesen, das motiviert uns, weiter an diesem Projekt zu arbeiten. Mit der NiL möchten wir dazu beitragen, dass Sie uns und die Migranten, die in Lippe leben, besser kennenlernen, so wie wir Lippe, Nordrhein-Westfalen und Deutschland besser kennenlernen wollen. Als Download finden Sie die NiL hier.

Zusätzliches Sprachkursangebot für neuzugewanderte Schüler_innen

Nach und nach münden viele der in den letzten Jahren neuzugewanderten Schülerinnen und Schüler der Internationalen Förderklassen in das Regelsystem der Berufskollegs ein. Ziel des Schulbesuches ist, die Voraussetzungen für eine Ausbildungsaufnahme zu schaffen, den dafür erforderlichen Schulabschluss zu erhalten und die deutschen Sprachkenntnisse zu verbessern.

Nicht selten scheitert die Ausbildung der Jugendlichen an unzureichenden Deutschkenntnissen, entsprechend funktioniert die Kommunikation im Betrieb nur eingeschränkt und somit für alle Beteiligten unbefriedigend. Hinzu kommt, dass die Jugendlichen Schwierigkeiten haben, den Unterrichtsinhalten am Berufskolleg zu folgen, was letztendlich oftmals Ursache für einen Ausbildungsabbruch ist. Gleichzeitig sind aufgrund des bestehenden Fachkräftemangels zahlreiche Ausbildungsbetriebe auf der Suche nach geeigneten und motivierten Auszubildenden, was sich nicht selten als schwieriges Unterfangen erweist.

Um die Startchancen für die neuzugewanderten Jugendlichen zu verbessern, haben die Lippe Bildung eG und das Kommunale Integrationszentrum des Kreises Lippe ein Konzept für eine zusätzliche Sprachförderung erarbeitet: der geplante außerschulische, aber im Stundenplan verankerte Deutschunterricht wird im kommenden Schuljahr ehemaligen Schülerinnen und Schülern der Internationalen Förderklassen angeboten. Die Jugendlichen erhalten neben dem regulären Unterricht einmal wöchentlich eine Doppelstunde zusätzlichen Sprachunterricht, der in den Nachmittagsstunden von Honorarkräften durchgeführt wird. Es handelt sich dabei um insgesamt vier Kurse – zwei Kurse pro Berufskollegstandort in Detmold und Lemgo. Die Maßnahme wird durch die Industrie- und Handelskammer zu Detmold mit einem Betrag von 10.000,- Euro gefördert.

Modern Arnis in Lippe

Gegenseitiger Respekt als Mittel der Konfliktvermeidung

Gespannt lauschen die Teilnehmenden den Ausführungen Dieter Knüttels (3. von links) zur Verteidigung mit dem Mobiltelefon.

Kampfsport an Mittel der Integrationsarbeit? Achtsamkeit in der Selbstverteidigung? Gegenseitiger Respekt im Konflikt? Was zunächst widersprüchlich erscheint, bildete für die Veranstaltung ‚Modern Arnis in Lippe‘ ein solides Fundament für das Gelingen.

„Sport bietet sich als niederschwelliges Medium an, um Kindern und Jugendlichen in einem perspektivarmen Leben eben eine Perspektive zu bieten, im Sport eine Alternative zu Radikalisierungen zu sehen“, wie Thomas Frank, Mitarbeiter des Kommunalen Integrationszentrums Lippe (KI) betonte. Entsprechend habe das KI gemeinsam mit ‚NRWeltoffen‘ Kreis Lippe und dem Kreissportbund Lippe (KSB) nach einem Partner für eine Auftaktveranstaltung gesucht und mit Dieter Knüttel, dem ranghöchsten Großmeister in Modern Arnis außerhalb der Philippinen, gefunden.

Gerade im Kampfsport werde gegenseitige Respekt gelehrt und gelebt, wie Sascha Schmittutz von NRWeltoffen heraushob, der Schwerpunkt werde beim Modern Arnis bewusst auf die Selbstverteidigung gelegt und die Übungen seinen durch die beiderseitige Achtsamkeit geprägt. „Es war schön zu sehen, mit wie viel Freude die Teilnehmenden konzentriert und diszipliniert mitgemacht haben“, so sein Resümee.

Die heutige Veranstaltung habe erneut gezeigt, welchen Einfluss der Sport auf Heranwachsenden und jungen Erwachsenden habe, fasste Christopher Tegethoff vom KSB sein Fazit. „Um auf die ersten Schritte mit Dieter Knüttel aufzubauen werden wir einen mehrwöchigen Folgekurs anbieten und versuchen, diesen an einen unserer lippischen Vereine anzudocken – eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten“, so sein Blick in die Zukunft des Angebots. Denn so sei auch die Nachhaltigkeit des Angebots gewährleistet.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer betonten neben ihrer Begeisterung für das erworbene Wissen, „ich lerne hier sogar wie ich Alltagsgegenstände wie mein Handy nutzen kann, um mich effektiv selbst verteidigen zu können“ auch die Freude über den integrativen Charakter des Trainings, indem sie die Mischung der Teilnehmenden vom unterschiedlichen Alter bis zur vielfältigen Herkunft hervorhoben.

Knüttel, der eine Einführungsveranstaltung mit diesen Vorzeichen erstmals durchführte, betonte, dass er den integrativen Ansatz besonders schätze und gerne wieder daran mitarbeite. Genau diesen Aspekt hob auch Frank in den Vordergrund, in dem er betonte, dass der Sport, und gerade auch der Kampfsport, ein gutes Medium sei, um soziale Netzwerke auf- bzw. auszubauen und um gesellschaftliche Teilhabe im Sinne der Integration zu fördern. „Im Vordergrund stehen der gegenseitige Respekt und der Spaß an Gemeinsamkeiten anstatt Gegensätze und Differenzen zu problematisieren“, wie er seine Beobachtungen beschrieb.